2017 war für mich ein Jahr voller Veränderungen. Ein Jahr, in dem ich aus meinem Loch der Trauer nach und nach emporgekrochen kam und mein Leben immer bewusster und aktiver gestaltet habe.  In diesem Jahr bin ich auch das erste Mal mit dem Thema Achtsamkeit in Kontakt gekommen.

Ich habe mich damals mit einer Kollegin über Achtsamkeit und Mindful based stress reduction (kurz MBSR) unterhalten und sie erzählte mir, dass ein Bekannter von ihr einen solchen, achtwöchigen MBSR-Kurs gemacht und daraufhin sein Leben vollkommen verändert hatte. Ich interessiere mich grundsätzlich immer schnell für mir bis dato unbekannte Themen und lasse mich gerne inspirieren und so begann ich, mich ausführlicher dem Thema zu widmen und Internetrecherchen zu der besagten Methodik zu betreiben.

MBSR ist ein kraftvolles Verhaltenstraining, basierend auf meditativen Praktiken, das von dem emeritierten Arzt und Universitätsprofessor Jon Kabat-Zinn entwickelt wurde und Menschen bei der Stressreduktion unterstützen soll. Wir begegnen in unserem Alltag immer wieder verschiedenen Stressoren. Auf manche haben wir nur bedingt Einfluss, andere wiederum sind hausgemacht. Das Einzige, was wir oft beeinflussen können, ist unser Blick auf die Dinge. Ziel der Methodik ist es, mehr im Hier und Jetzt zu sein, den gegenwärtigen Moment des Lebens in all seiner Schönheit oder all seiner Problematik bewusst zu erfassen und einen angemessenen Umgang damit zu finden. Durch MBSR lernt man, aus all den Gedankenkarussels und Hamsterrädern bewusst auszusteigen, wenn sie einem nicht mehr dienlich sind.

In meiner damaligen Situation, deren Tage geprägt waren von unendlich erscheinenden Gedankenkarussels hörte sich die Beschreibung wie Balsam für meine Seele an. Ich stieß bei meinen Recherchen auf einen Kursleiter bei mir in Köln, der mich aufgrund seiner ruhigen Ausstrahlung und wie mir damals noch wichtig war, wenig esoterischen Ausstrahlung total ansprach und ging gemeinsam mit meinem Freund zum Infoabend. Alex, der Kursleiter erklärte dort einige Fakten zum Thema Achtsamkeit und Meditation und welche Auswirkungen eine regelmäßige Achtsamkeitspraxis auf das Gehirn und die eigene Leistungsfähigkeit haben. Ich persönlich war noch nie der Typ, der Fakten und rationale Gründe brauchte, um mich für eine Sache zu begeistern, ich musste es spüren. Und das tat ich, als wir im Rahmen dieses Abends in eine geführte Meditation abtauchten. Ich hatte vorher kaum Meditationserfahrung, wusste aber direkt in den ersten Minuten dieser geführten Meditation, dass ich das machen muss. In mir breitete sich ein so schönes und wohliges Gefühl der Entspannung und der Gewissheit aus, dass ich hier an diesem Ort genau richtig bin und damit gab es für mich keinen Zweifel mehr. Umso mehr freute es mich, dass mein Freund, der in der Beziehung ganz anders tickt als ich, sich auch meldete, als Alex fragte, wer Interesse an dem Kurs hätte und sich auf die Warteliste eintragen wollte.

Zwei Monate später war es soweit – der achtwöchige MBSR-Kurs startete. Wie kann ich die Zeit dort zusammenfassen? Für mich waren es 8 intensive Wochen enormen Wachstums. Ich habe in dieser Zeit meinen Blick auf mich, meine Beziehungen zu mir selbst und zu anderen, meine Art der Wahrnehmung und der Kommunikation und meinen Umgang mit meiner Lebenszeit extrem verändert.

Jede Kurseinheit stand unter einer bestimmten Überschrift, mit der wir uns an diesem Abend und in der darauffolgenden Woche durch Übungen beschäftigten. Die Kursabende waren immer ähnlich aufgebaut. Wir tauschten uns in Kleingruppen zu unseren Erfahrungen mit der Achtsamkeitspraxis aus der vorherigen Woche aus, schenkten einander Verständnis und gaben uns gegenseitig Mut, denn die Integration einer solch achtsamen Praxis in den eigenen Alltag ist gar nicht so einfach. Danach folgte meist ein fachlicher Input zu dem jeweiligen Thema des Abends und daraufhin eine passende Meditation, die mit jeder Kurseinheit etwas länger wurde. Am Ende des Kurses meditierten wir 45 Minuten in Stille und verbrachten einen Achtsamkeitstag zusammen, an dem 8 Stunden lang nur meditiert und geschwiegen wurde. Ein absolut magisches Erlebnis.

Falls du weiterführende Informationen zu dem Thema suchst, kann ich dir das Buch von Jon Kabat- Zinn „Gesund durch Meditation“ sehr empfehlen oder gib einfach einmal MBSR bei Google ein, da wirst eine Menge Informationen bekommen. Falls du aus Köln kommst, kann ich dir den Kurs, den ich besucht habe sehr ans Herz legen. Du findest ihn hier. 

Im nächsten Blogbeitrag teile ich mit dir die Achtsamkeitspraktiken, die ich bis heute in meinen Alltag übernommen und integriert habe und die meine Sicht auf die Dinge maßgeblich verändert haben.

Alles Liebe,
Deine Vanessa