In meinem letzten Blogartikel habe ich dir bereits MBSR (Mindful based stress reduction) als eine Methodik zum Umgang mit negativen Gedanken und Gefühlen vorgestellt und dir meine Erfahrungen damit beschrieben. Falls du den Artikel noch nicht gelesen hast, würde ich ihn dir in jedem Fall zur Einstimmung auf den heutigen Blogbeitrag empfehlen.

Denn heute möchte ich nun gerne mit dir teilen, welche Achtsamkeitspraktiken ich damals in meinen Alltag integriert habe und bis heute aktiv nutze.

Dankbarkeit
Wenn du dich schon etwas mehr mit Themen der persönlichen Weiterentwicklung beschäftigt hast, dann ist die Dankbarkeit ein Schlüsseltool, um das du wahrscheinlich nicht drumherum gekommen bist. Und das ist meiner Meinung nach auch genau richtig. Für mich gibt es glaube ich nichts kraftvolleres, als jeden Tag mindestens einen Moment in Dankbarkeit zu verbringen und das, egal wie herausfordernd die äußeren Umstände gerade sind.

Das mag sich für dich im ersten Moment hart anhören, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass egal, wie schlimm die Welt im Außen gerade ist, ich immer etwas finde, wofür ich in dem Moment dankbar bin. Auch in meiner intensivsten Zeit der Trauer konnte ich solche Momente finden, denn es müssen nicht immer die großen und spektakulären Dinge sein, für die wir dankbar sind. Der Zauber liegt vielmehr darin, auch die Kleinigkeiten und kurzen Momente wertzuschätzen. Das kann die Sonne sein, die sich heute endlich mal wieder in ihrer vollen Pracht zeigt; das leckere Müsli, das du dir zum Frühstück gemacht hast; das gute Buch, das dir gerade für einen Moment gut getan hat; die warme Dusche am Morgen oder oder oder ….

Wie kannst du nun solch eine Dankbarkeitspraxis in dein Leben integrieren? Ich gehe meist zweimal am Tag in die Dankbarkeit. Das ist aber nicht nötig. Einmal reicht für den Anfang absolut aus. Ich habe nur die Erfahrung gemacht, dass das Gefühl der Dankbarkeit, wenn man es über eine gewisse Dauer praktiziert, so gut tut, dass man es häufiger spüren möchte ?.

Wie gehe ich also vor? Morgens schreibe ich mir mindestens drei Dinge auf, für die ich im Moment dankbar bin. Ich habe mir hierfür ein schönes Notizbuch angelegt und es ist für mich immer besonders schön, zum Jahresende durch die Seiten zu blättern und die vielen kleinen Momente der Dankbarkeit noch einmal Revue passieren zu lassen. Abends sind die Dinge für die ich dankbar bin, meine letzten Gedanken vor dem Einschlafen. Wenn ich die Augen schließe und merke, dass irgendein Gedanke mich wieder einmal nicht loslassen möchte, dann gehe ich ganz bewusst durch den Tag und reflektiere, wofür ich an diesem Tag dankbar war. Darüber schlafe ich eigentlich immer ein und ich habe das Gefühl, dass ich dadurch auch in einen ruhigeren Schlaf komme, da meine Nacht mit schönen und nicht mit aufwühlenden Gedanken beginnt.

Schönster und unschönster Moment
Eine weitere Praxis, die ich fest in meinen Alltag integriert habe, ist die Bewusstmachung des schönsten und unschönsten Moments. Jeden Morgen schreibe ich in mein Journal, was am Vortag mein schönster und was mein unschönster Moment war. Zusätzlich schreibe ich mir den schönsten Moment noch auf einen bunten Zettel, den ich in einem Glas sammele. Am Jahresende schaue ich mir dann die 365 schönsten Momente des letzten Jahres an und durchlebe sie nochmal. Dieses Idee, habe ich als Geburtstagsgeschenk von einer meiner engsten Freundinnen bekommen und ich kann sie jedem nur als Geschenk empfehlen.

Nachdem ich diese Routine einige Wochen praktiziert hatte, merkte ich plötzlich einen Unterschied in meinem Alltag. Während des Tuns kategorisierte ich nun schon in schöne und unschöne Momente und das ist bis heute so geblieben. Durch diese Praxis nehme ich heutzutage einzelne Momente so achtsam wahr, dass mir direkt bewusst wird, dass dies mein schönster (oder unschönster) Moment des Tages werden wird. Ich gehe dadurch also viel bewusster und achtsamer durchs Leben und sammele kleine Lebensmomente, die in der Summe ja schließlich unser Leben ausmachen.

Wann war ich gestresst? / Wann hatte ich Angst?
Ebenso gehört es zu meiner Achtsamkeitspraxis, dass ich mir die Momente bewusst mache, die mich gestresst haben oder in denen ich ein Gefühl der Angst gespürt habe. Als wir diese Aufgabe anfangs im Achtsamkeitskurs bekamen, sträubte sich einiges in mir dagegen. Ich wollte meinen Fokus nicht bewusst auf die negativen Dinge richten und das tat ich ja schließlich, wenn ich über Situationen, die mich gestresst hatten oder die mir Angst machten nachdachte. Doch schon nach einigen Wochen erkannte ich die Magie in dieser Übung und hatte zwei Erkenntnisse:

Erstens – es sind immer wieder ähnliche Situationen oder Umstände, die mich stressen oder mir Angst machen und zweitens – je mehr ich mir der Situationen bewusst war, desto mehr konnte ich mich darauf einstellen und sie als gar nicht so schlimm wahrnehmen.

Was mir in solchen Momenten auch immer sehr hilft, ist die Frage: Würde mich diese Situation in einer Woche, einem Monat oder einem Jahr auch noch stressen oder ängstigen. Damit lassen sich 9 von 10 Dingen sehr schnell relativieren.

Revue der Woche und des Monats
Ich liebe es mittlerweile auf die Woche oder den vergangenen Monat zurückzublicken und mir bewusst zu machen, was ich in dieser Zeit erlebt habe. Ich führe mir gerne vor Augen für welche Erlebnisse in dieser Zeit ich dankbar bin; welche guten Gespräche ich geführt und welche Menschen ich getroffen habe und was meine schönsten Momente in der Zeit waren. Diese Rückblicke sammele ich alle in meinem Journal und es ist für mich so schön, am Ende des Jahres durch die Seiten zu blättern und mein Jahr auf diese Weise noch einmal Revue passieren zu lassen.

Meditation
Ich habe es hier schon öfters erwähnt. Meditation ist für mich eines der kraftvollsten Tools, das ich in den letzten Jahren kennenlernen durfte. Seit meinem Achtsamkeitskurs vergeht kein Tag, an dem ich nicht meditiere. Mal länger und mal kürzer. In der Regel beginne ich meinen Tag mit einer 15-30minütigen Meditation und stimme mich so auf alles, was vor mir liegt ein. Aber auch abends tut es mir besonders gut, in einer Meditation noch einmal durch meinen Tag zu gehen und mir die einzelnen Momente bewusst zu machen. In besonders stressigen Zeiten reicht manchmal auch nur die 60 Sekunden Meditation, um mich wieder zu erden und klar denken zu können. Wenn du das auch einmal ausprobieren möchtest, kannst du dafür einfach ganz bewusst 60 Sekunden auf deine Uhr schauen und dabei tief in den Bauch ein- und durch den Mund wieder ausatmen.

Wenn du Interesse daran hast, näher in das Thema einzusteigen, dann schau dich gerne einmal auf meiner Seite unter Meditationen um und probiere die ein oder andere für dich aus.

Ich hoffe, ich konnte dich mit meinen Achtsamkeitspraktiken ein wenig inspirieren. Wenn du Lust hast, probiere einfach mal das ein oder andere aus. Falls du selber bereits Achtsamkeit in deinem Alltag praktizierst, würde mich natürlich total interessieren, was du machst und welchen Einfluss es auf deinen Alltag hat. Lass mir hierzu gerne einen Kommentar unter dem Blogpost da.

Alles Liebe,
Deine Vanessa