Noch ist er draußen nicht so richtig erkennbar, aber wenn man mit offenen Augen durch die Natur geht, dann sieht und spürt man ihn schon an der ein oder anderen Stelle.

Die ersten Sonnenstrahlen wärmen bereits mehr, als sie es noch vor ein paar Wochen gemacht haben, die Äste der Bäume und Sträucher werden zaghaft grüner und auf den Wiesen beginnen die Krokusse zu blühen. Es wird ganz langsam Frühling.

Wie geht es dir mit deiner Trauer im Frühling?

Ich finde, der Frühling und die Trauer, das ist so eine Sache…

Die Menschen sind in der Regel wieder sehr viel glücklicher und lächeln viel, wenn die ersten Sonnenstrahlen rauskommen. Häufig ist der Frühling verbunden mit Aktionismus und Tatendrang. Projekte werden angegangen: Meine Tante pflegt immer noch den Frühlingsputz, bei dem alle Schränke ausgeräumt und alles grundgereinigt wird; die Gärten werden von den Zeichen des Winters befreit und auf den Sommer vorbereitet und der Kleiderschrank wird ausgemistet und die Frühlingsoutfits hervorgezaubert. Auch die Paare wirken in der Zeit oft glücklicher, als in den dunklen Wintertagen. Nicht umsonst spricht man von den Frühlingsgefühlen.

All das fand ich in dem ersten Frühling nach dem Tod meines Vaters im November schwer zu ertragen. Ich hatte es mir richtig gemütlich gemacht in meiner Traurigkeit, meiner Melancholie und Lethargie und war überfordert von all dem Tatendrang und dem Glück und der Freude, um mich herum.

Vielleicht geht es dir gerade ähnlich. Vielleicht spürst auch du gerade eine Wut über all die gut gelaunten Menschen und bist gleichzeitig entsetzt über dich, da es ja eigentlich total schön ist, dass die Sonne wieder rauskommt und die Menschen mit mehr Freude durch den Tag gehen.

Falls dir das bekannt vorkommt, habe ich heute vier Tipps für dich, wie auch du den bevorstehenden Frühling genießen und in deiner Trauer nutzen kannst:

  1. Geh raus

Es gibt keinen Ort, an dem ich mich mehr beruhigen, sammeln und zu mir selbst finden kann, als in der Natur. Ich finde, dass, wenn man mit offenen Augen durch die Natur geht, wir so viele Wunder in ihr entdecken und die Schönheit dieses Planeten in seiner Gänze wahrnehmen können. So viele negative Gedanken und Gefühlen wirken inmitten der Natur für mich oft so viel kleiner, als sie es in meinem Kopf sind, wenn ich eingemummelt auf der Couch oder Nachts mal wieder wach liege.

Der Frühling bringt die Natur zum Erwachen und gibt uns damit einen kleinen Schubs, endlich raus aus dem Bett oder runter vom Sofa zu kommen und uns zu bewegen. Wir können in der immer wiederkehrenden Schönheit der Natur erkennen, dass alles immer im Wandel ist. Der Baum, der vor einem Monat noch kahl und tot aussah, sprießt nun voller Knospen mit neuem Leben. Und genauso ist es auch mit unserer Trauer. Auch diese wird sich wandeln und sich irgendwann nicht mehr, wie der kahle Baum anfühlen, sondern eine Knospe nach der anderen sprießen lassen.

Nutze diese Zeit, die uns jetzt bevorsteht und verbinde dich ganz bewusst mit der Natur. Das muss nicht immer eine lange Wanderung sein. Manchmal tut es auch die Runde, um den Block. Du wirst sehen, wie sich das Sonnenlicht und die frische Luft auf deinen Gemütszustand auswirken.

  1. Miste aus

Ich glaube, dass wir auch in der Trauer ein bisschen Tatendrang entwickeln können und dieser uns gut tut. Hast du schon einmal dieses befreiende Gefühl nach dem Ausmisten gespürt? Ich finde es immer wieder unglaublich erlösend, Dinge, die ich nicht mehr brauche loszulassen und sie an andere zu geben, denen ich damit eine Freude machen kann.

Wie wäre es, wenn du dir für den kommenden Frühling ein kleines „Ausmist-Projekt“ vornimmst? Was auch immer es ist – deinen Kleiderschrank, dein Bücherregal, der Vorratsschrank oder der Keller. Probiere es einfach einmal aus. So hast du eine Aufgabe, die deinem Tag wieder etwas mehr Struktur gibt und löst dich von Dingen, die du nicht mehr brauchst.

  1. Erlaube dir zu lachen

Ich habe mir nach dem Tod meines Vaters eine ganze zeitlang nicht erlaubt zu lachen. Es war kein bewusstes Verbot, was ich mir selbst auferlegt hatte, es war viel mehr ein Gefühl von Schuld und Scham, wenn es mal passierte. Wie konnte ich nur lachen, Freude haben, bei all dem, was passiert war? Vielleicht kennst du das Gefühl auch…

Wenn die Sonne des Frühlings deine Haut berührt und die leichte, angenehme Windbriese deine Haut kitzelt, wird es irgendwann schwierig, nicht zu lächeln und den Moment zu genießen. Und genau das ist richtig. Ohne deine geliebte, verstorbene Person gekannt zu haben, weiß ich, dass sie niemals gewollt hätte, dass du diesen Moment nicht genießt und nicht mehr lachst und glücklich bist. Ich glaube sogar, dass sie dir eine extra Portion Sonne schickt, damit du dich irgendwann nicht mehr wehren kannst und der Sonne dein Lächeln entgegenstreckst.

Also, erlaube dir zu lachen und nutz diese wunderschöne Zeit, die uns bevorsteht ganz aktiv dafür, denn es ist so viel einfacher zu lachen, wenn der Himmel blau ist und die Sonne scheint.

  1. Geh unter die Leute

Im Frühling ändert sich bei uns in Köln immer das Stadtbild. Eine Freundin von mir, die Spanierin ist und ein Jahr in Deutschland gelebt hat, fand das immer ganz faszinierend. Sie sagte, dass Deutschland im Winter, wie ein völlig anderes Land wirkt: Die Menschen bleiben zuhause, die Straßen sind leer und die Gesichter sind blass und ohne Freude. Doch sobald die Sonne herauskommt, ist es, als würde unserem Land wieder Leben eingehaucht. Die Menschen verabreden sich, treffen sich in Parks und Restaurants und genießen die ersten Sonnenstrahlen mit einem Cappuccino auf der Terrasse eines Cafés.

Vielleicht ist mit dem Frühling auch bei dir die Zeit des Einigelns vorbei. Nutze diese Jahreszeit, um dir wieder mehr Leben einzuhauchen. Verabrede dich mit Freunden und der Familie und geht spazieren, bummeln oder Kaffee trinken. Für mich hat es damals einen unglaublichen Unterschied gemacht, wieder aktiv am Leben teilzunehmen und ich finde, der Frühling bietet sich dafür unglaublich gut an.

 

Ich hoffe, es war der ein oder andere Tipp für dich dabei, der dich inspiriert und den du für dich einmal ausprobieren magst und freue mich total auf dein Feedback.

 

Alles Liebe,

Deine Vanessa